Bild: Johannes Scharf, TFZ

Agri-Photovoltaik: Stand und offene Fragen

Agri-Photovoltaik (Agri-PV) bietet die Möglichkeit, auf einer Fläche Landwirtschaft und Stromerzeugung zu kombinieren. Dieses Prinzip wurde bereits in den 1980er Jahren erstmals beschrieben, aber erst seit ungefähr 2013 in einigen Ländern angewandt. Da in Deutschland der Flächenverbrauch im europäischen Vergleich sehr hoch ist, stellt diese Art der Stromerzeugung grundlegend ein attraktives Modell dar. Bislang gibt es in Deutschland aber kaum verwirklichte Projekte. Eine wissenschaftliche Begleitung und Untersuchung des Einflusses der Anlagen auf die landwirtschaftlichen Erträge wurde bisher nur in einem Projekt durchgeführt. Dennoch wird die Agri-PV häufig mit diversen Vorteilen in Verbindung gebracht.

Dieser Bericht soll die genannten Vorteile anhand bereits bestehender Anlagen sowie verfügbarer Literatur und mithilfe von Expertengesprächen überprüfen und – soweit auf dieser Basis möglich – mit konkreten Zahlen hinterlegen und so einen Überblick über den aktuellen Stand des Wissens zum Thema Agri-PV vermitteln. Für weiterhin bestehende offene Fragen sollen Handlungsanweisungen und zielführende Versuchskonzepte entwickelt werden, um für bayerische Standortbedingungen, diverse Modulsysteme, den gültigen Rechtsrahmen sowie typische Nahrungs- und Rohstoffpflanzen in einem späteren Projekt eine entsprechende Datenbasis zu erarbeiten. Dabei wird in allen Fällen der Unterschied zu einer klassischen Photovoltaik-Freiflächenanlage (PV-FFA) betrachtet, um Vor- und auch Nachteile der verfügbaren Agri-PV-Systeme, z. B. hinsichtlich der Investitionskosten und Flächenerlöse, möglichst präzise beziffern zu können.

Agri-PV-Anlagen sind derzeit tendenziell teurer als konventionelle PV-FFA. Gleichzeitig kann in einer Agri-PV-Anlage weniger Leistung pro Fläche installiert werden als bei konventionellen PV-FFA. Zudem werden für die Montagesysteme Flächenanteile benötigt, welche die verfügbare landwirtschaftliche Nutzung reduzieren. Diese nicht mehr landwirtschaftlich nutzbaren Flächenanteile machen je nach Anlagendesign acht bis fünfzehn Prozent der Fläche der Agri-PV-Anlage aus. Aus wirtschaftlicher Sicht scheint es also sinnvoller, Photovoltaik-Freiflächenanlagen und landwirtschaftliche Flächen getrennt voneinander zu nutzen. Agri-PV soll aber nicht in erster Linie dort etabliert werden, wo andernfalls konventionelle Freiflächenanlagen installiert würden. Sie können vor allem dort eine sinnvolle Ergänzung bieten, wo die Errichtung konventioneller PV-FFA nicht möglich ist: Nach einem anfänglichen Boom der PV-FFA wurden in der Folge zunehmend restriktive Flächenregelungen eingeführt, um wertvolle landwirtschaftliche Flächen zu erhalten und Landwirte vor einem „Pachtpreiskampf“ mit Photovoltaikbetreibern zu bewahren. Aufgrund dieser Regelungen ist die derzeitige Flächenkulisse für PV-FFA recht eingeschränkt.

Hier bietet Agri-PV die Möglichkeit, landwirtschaftliche Flächen zu erschließen, ohne dabei die landwirtschaftliche Nutzung zu verhindern. Im besten Fall kann Agri-PV die Pflanzenproduktion durch Verschattungseffekte oder den mechanischen Schutz der angebauten (Sonder-)Kulturen sogar unterstützen.

Auszug aus Agri-Photovoltaik: Stand und offene Fragen, TZF 2021