“Wir wollen den Wandel unserer Gesellschaft in die neue Energiewelt vorantreiben”

Daniel Schölderle (NaturEnergie) im Gespräch mit Startup|Energy

Herr Schölderle, Sie sind seit vielen Jahren im deutschen Energiemarkt tätig und leiten nun den Bereich Vertrieb+Energiewirtschaft bei der Energiedienst Gruppe. Was genau macht Energiedienst?
Energiedienst beschäftigt sich seit mehr als hundert Jahren mit der Entwicklung nachhaltiger und ökologischer Energielösungen. Groß geworden sind wir mit dem Bau und dem Betrieb von Wasserkraftwerken am Rhein, im Schwarzwald und in der Schweiz. Seit 1999 beliefern wir Privat- und Industriekunden unter der Marke NaturEnergie mit 100% Ökostrom aus unseren Kraftwerken und betreiben als regionaler Versorger auch einen Großteil der Stromnetze in Südbaden.

Beim bundesweiten Vertrieb von Ökostrom waren wir übrigens eines der ersten Energieunternehmen. Diesen Pioniergeistleben wir heute bei Energiedienst weiter. Seit 2020 arbeiten wir zudem als einer der ersten Energieversorger Deutschlands klimaneutral.

Bei Energiedienst leben sie den ökologischen Pioniergeist Ihrer Vorgänger weiter. Worin liegt der Schwerpunkt der nächsten Jahre und wie wird sich die Energiedienst-Gruppe dabei engagieren?
Wir glauben daran, dass ökologisch erzeugter Strom das Öl der Zukunft ist. Daher haben wir bereits vor sechs Jahren gemeinsam mit der Stadtmobil in Freiburg mit my-e-car ein klimaneutrales Carsharing mit Elektroautos und eine Ladeinfrastruktur in Südbaden aufgebaut. Seit 2019 produzieren wir an unserem Wasserkraftwerk in Wyhlen grünen Wasserstoff.

Auch im Wärmebereich arbeiten wir intensiv an einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Zwischen Rheinfelden und Basel untersuchen wir gemeinsam mit Industrieunternehmen, wie wir die Abwärme aus Industrieprozessen für die Wärmeversorgung von Haushalten nutzen können. Auch im Haushaltsbereich entwickeln wir intelligente Lösungen zur optimalen Vernetzung und Steuerung von PV-Anlage, Wärmespeicher, Batteriespeicher und Ladepunkte für Elektrofahrzeuge.  

Bis vor 20 Jahren kam der Ökostrom einzig aus Wasserkraftwerken. Das hat sich in den letzten Jahren massiv geändert. Wie stehen Sie persönlich zu dieser Entwicklung und was erwarten Sie für die Zukunft?
Auch wenn die anfänglichen hohen Fördersätze für Windkraft- und Solaranlagen durch das EEG zu einer nach wie vor hohen Belastung der Stromverbraucher führt, halte ich die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien für einen großen Erfolg. Im Jahr 2020 haben die erneuerbaren Energien erstmals mehr Strom erzeugt als alle fossilen Kraftwerke zusammen. Die Kosten für Solarstrom haben sich in 20 Jahren von über 40 Cent pro Kilowattstunde auf 4 Cent reduziert.Die Geschwindigkeit hin zu einer vollständig erneuerbaren Stromversorgung wird sich durch diese niedrigen Erzeugungskosten in den nächsten Jahren weiter beschleunigen.

Im Verkehrs- und Wärmebereich hinken wir dieser erfreulichen Entwicklung aus dem Stromsektor jedoch deutlich hinterher. Der Wärme- und Verkehrsbereich verursachen jedoch ca. 75% des Energieverbrauchs in Deutschland. Daher sind für mich die Sektorenkopplung und innovative Verkehrs- und Wärmelösungen die zentralen Bausteine für ein Gelingen der Energiewende.

Worin sehen Sie in den kommenden Jahren die größte Herausforderung auf dem Weg zu einer dezentralen und erneuerbaren Energiewelt?
Gesetzt ist für mich, dass die Stromproduktion aus Wasser-, Wind- und Solaranlagen in Zukunft die mit Abstand günstigste Art ist, erneuerbare Energie zu erzeugen. Die zentrale Herausforderung wird darin bestehen, das Energiesystem so zu wandeln, dass wir mit einer schwankenden Erzeugung jederzeit zurechtkommen. Das erfordert eine intelligente Vernetzung von vielen dezentralen Einspeisern und Verbrauchern. Hier setze ich auf innovative Lösungen beispielsweise im Lademanagement von Elektroautos oder in der Steuerung von Wärmepumpen und Batteriespeicher. Das wird ein spannendes Betätigungsfeld für innovative Startups.  

Sie gehören zu den wichtigen Sponsoren von Startup|Energy. Was hat Sie dazu bewogen? Die Förderung von Startups war bisher ja keine Aktivität von Energiedienst.
Unser Ziel als Energiedienst-Gruppe ist es, den Wandel unserer Gesellschaft in die neue Energiewelt durch klimaneutrale, einfache und innovative Energielösungen für unsere Kunden voranzutreiben. Deshalb unterstützen wir Startups, die gemeinsam mit uns die gleiche Vision haben, sehr gerne. Persönlich hat mich die Idee begeistert, den Austausch zwischen Ostafrika und Deutschland zu fördern und zwar gleichberechtigt und auf Augenhöhe. Ich bin der Überzeugung, dass wir in Deutschland sehr viel über dezentrale Energieversorgungssysteme aus Ostafrika lernen können. Auch wenn wir keinen eigenen gesonderten Innovationsbereich besitzen, sind wir ständig auf der Suche nach neuen Ideen. Das heißt eine zukünftige Förderung von Startups ist durchaus denkbar.

Aus welchem Bereich der acht beim Energy Camp zugelassenen Themenfelder wünschen Sie sich spannende Startupideen?
Das ist keine einfache Frage, denn viele der Themenfelder sind für uns als Energieversorger, der seit vielen Jahren für eine sichere und ökologische Versorgung der Region steht, interessant. Dazu gehören insbesondere die Produktion aus erneuerbaren Energiequellen, das „Resilience Engineering“, neue Speichersysteme oder die Energieverteilung. Bei der zunehmenden fluktuierenden erneuerbaren Erzeugung werden aber auch gute Mess- und Regelsysteme immer wichtiger. Daher wünsche ich mir persönlich viele wertvolle Ideen aus diesem Umfeld. Ich freue mich sehr auf den Wettbewerb und bin auf die Entwürfe gespannt.

Vielen Dank, Herr Schölderle, für das Gespräch!