“Wir sind immer auf der Suche nach neuen Ideen”
Benedikt Ortmann (BayWa r.e.) im Gespräch mit Startup|Energy

Dr. Benedikt Ortmann ist Global Director Solar Projects BayWa r.e. und Juror des Startup|Energy Awards beim Energy Camps Freiburg.

Herr Ortmann, Sie sind seit 20 Jahren im deutschen Energiemarkt tätig und leiten nun ein Solarunternehmen, das weltweit aktiv ist. Was genau macht Baywa r.e. Solar?
Um die Energiewende umzusetzen, benötigen wir neben solaren Kleinanlagen auch große Solarkraftwerke. Hier sind wir von Baywa r.e. Solar tätig: wir suchen und sichern Flächen, entwickeln große Solarprojekte und sorgen auch für die Finanzierung der Solarkraftwerke. Und das inzwischen weltweit, weil die Umstellung auf erneuerbare Energien auf allen Kontinenten ein wichtiges Thema ist.

Große Solaranlagen auf Freiflächen sind ja schon seit fast 20 Jahren in Deutschland üblich. Hat sich hier seit den Anfängen etwas am Konzept dieser Anlagen geändert?
In den letzten Jahren sind neben der einfachen Installation auf freien Landschaftsflächen neue Anwendungen hinzugekommen, die eine doppelte Nutzung versprechen. Zum Beispiel Agri-PV: Dort werden Solarmodule über die angebauten Pflanzen installiert, was zugleich die Pflanzen schützt und bis zu 30% weniger Wasser für die Bewässerung erfordert.
“Floating PV” ist eine andere Mehrfachnutzung, also große Solaranlagen auf Wasserflächen. Neben der Stromproduktion wird dabei zugleich die Wasserverdunstung reduziert und die Veralgung der Gewässer verringert. Beide Solaranwendungen – Agri-PV und Floating-PV – sind übrigens sowohl in Europa als auch in Afrika gegenwärtig ein großes Thema.

Gibt es Mehrfachnutzungen, die heute noch in den Kinderschuhen stecken und auf die Sie in Zukunft hoffen?
Ja, ganz klar die Hybridisierung von Windanlagen. Das bedeutet, dass man große Solaranlagen in Windparks platziert. Denn von den Leistungskurven her ergänzen sich Wind und Sonne optimal. Hier könnte man leicht bestehende Flächen doppelt nutzen, bestehende Netzanschlüsse besser auslasten und damit die Erzeugungskosten für erneuerbaren Strom noch weiter senken.

Auch das ist vermutlich in Europa wie in Afrika anwendbar. Wenn die Technik in beiden Kontinenten sich also wenig unterscheidet, was ist der markanteste Unterschied aus Sicht der Kunden bzw. Stromverbraucher?
Das dürfte eindeutig die Bedeutung der Energiesicherheit sein. In Europa ist diese gegeben, und ein Solarprojekt wird dann interessant, wenn es sich wirtschaftlich rechnet. In den meisten afrikanischen Ländern ist das Hauptargument jedoch die zuverlässige Versorgung mit Energie. Wenn Sie beispielsweise ein Produktionsunternehmen haben, benötigen sie eine zuverlässige Stromversorgung und können sich stunden- oder gar tagelange Unterbrechungen einfach nicht leisten. Die Solaranlage kann diese Energiesicherheit zuverlässiger gewährleisten als das nationale Netz und zugleich kostengünstiger als der herkömmliche Dieselgenerator.

Sie sind in Europa und Afrika gleichermaßen tätig, war das auch ein Grund, die Initiative Startup|Energy zu unterstützen?
Das war natürlich ein Grund, ein anderer ist aber unsere Neugier auf Startups mit Innovationen im Bereich Erneuerbare Energien. Nicht nur für uns als solare Projektentwickler, sondern zum Beispiel auch für das Energy Solution-Team von BayWa r.e., das maßgeschneiderte Energielösungen für Unternehmen anbietet. Und nicht zuletzt gehört ja auch eine Venture-Capital Gesellschaft zum BayWa r.e.-Konzern. Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Ideen, um ihre Eignung für unsere eigenen Produkte und Strategien zu prüfen. Daher freue ich mich schon auf die Tätigkeit als Juror beim Startup|Energy-Award!

Vielen Dank, Herr Ortmann, für das Gespräch!